2G für den Einzelhandel - Bändchen für‘s Weihnachts-Shopping?

 

 

Das Stadtmarketing Osnabrück hat zusammen mit bislang ca. 20 teilnehmenden Gewerbetreibenden ein Konzept erarbeitet1, mit dem die Durchsetzung und Kontrolle der 2G-Regelung im vorweihnachtlichen Einzelhandel der Innenstadt vereinfacht werden soll. Für diejenigen, die dieses Thema nicht intensiv verfolgt haben, hier eine kurze Zusammenfassung um was es dabei geht:

 

 

 

  • alle teilnehmenden Unternehmen geben, gegen Vorlage eines 2G-Nachweises „Einlassbändchen“ an berechtigte Personen aus

  • Personen, die an einer Ausgabestelle ein Bändchen bekommen haben, können damit auch bei allen anderen teilnehmenden Geschäften einfacher kontrolliert werden

In der Theorie gut, in der Praxis nicht zu Ende gedacht

Wir werden an der Ausgabe der „2G-Bändchen“ nicht teilnehmen, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Unsere Buchhandlung befindet sich in einer Randlage und nicht im Zentrum der Innenstadt. Direkt vor unserer Tür befindet sich eine stark frequentierte Bushaltestelle, 50 Meter weiter der Eingang zu einem der größten Parkhäuser der Stadt. Auf dem Weg von einer dieser beiden Ankunftsorte in die stärker frequentierten Bereiche (Krahnstraße) kommen jeden Tag also zahlreiche Personen an unserer Buchhandlung vorbei – ein vielfaches der Zahl der Personen, die wir dann tatsächlich als Kund:innen in unserer Buchhandlung begrüßen dürfen. Würden wir also diese 2G-Bändchen ausgeben, wären wir für sehr viele Personen wohl die erste Anlaufstation für die 2G Kontrolle und die Ausgabe solcher Bändchen. Gewerbetreibende in einer Randlage profitieren also nicht im gleichen Maß von einer solchen Regelung, wie solche, die sich im Zentrum der Innenstadt befinden (als Analogie könnte hier durchaus das völlig zurecht stark kritisierte Dublin-Abkommen2 dienen).

 

Kontrolle wird dadurch nicht einfacher oder sicherer

Gewerbetreibende bleiben in jedem Fall haftbar für das Vorhandensein aller notwendigen 2G- Nachweise von Kund:innen in den Geschäftsräumen. Sind solche Nachweise nicht vorhanden, drohen empfindliche Bußgelder.3 Um eine gründliche Einlasskontrolle kommt also praktisch niemand vorbei. Vom Besuch zahlreicher Festivals dürfte außerdem bekannt sein, dass nicht gänzlich verhindert werden kann, dass Personen ihre Bändchen einfach weitergeben, was umso mehr eine gründliche 2G-Kontrolle erfordert. Diese Kontrollen sind zeitintensiv, umso mehr, wenn wir aufgrund unserer Randlage die Kontrolle für die Ausgabe der Bändchen für andere Gewerbetreibende einfach übernehmen. Mehrere vom Stadtmarketing koordinierte Ausgabestellen (nicht die Einzelhändler selbst!) hätten dieses Problem evtl. lösen können. Eine Einbindung von Gewerbetreibenden, die derzeit erzwungenermaßen ihren Betrieb eingestellt haben, wäre zu diesem Zweck ebenfalls eine Überlegung wert gewesen. So ist es eine Lösung, die für uns als Händler keinerlei Erleichterung darstellt – zu befürchten ist eher Mehrarbeit, für die wir schlicht keine Kapazitäten haben.

 

 

 

Wir werden also „nur“ die Personen auf das Vorhandensein eines 2G- Nachweises kontrollieren – dies müssten wir übrigens auch dann, wenn die betreffende Person bereits ein Bändchen hätte. Die Alternative lautet „Lockdown“, ist also für uns keine Option. Wir werden also alle gängigen Regelungen so umsetzen, und uns über jede Person freuen, die uns bei der Umsetzung unterstützt. Die Erfahrung aus nun fast 2 Jahren Pandemie lehrt uns, dass wir auch schon so genügend Diskussionen um Masken, Impfung und Co führen dürfen. Alu-Hüte verkaufen wir übrigens immer noch nicht.

 

 

 

 

 

 

 

1https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/2501552/2g-im-handel-stadt-osnabrueck-bereitet-baendchen-loesung-vor

 

2https://www.zeit.de/politik/ausland/2013-10/EU-Asyl-Migration/komplettansicht?utm_referrer=https%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2F

 

3https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/coronavirus/Corona-in-SH-Kein-2G-Nachweis-Bei-Verstoessen-droht-hohes-Bussgeld,bussgeld148.html

 

 

 Verfasser: BL

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