John Marrs: The Passengers

Libby ist auf dem Weg zur Kommission. Glücklich ist sie darüber nicht, doch sie hat keine Wahl. Jede Woche wird ein Zivilist in die geheime Gruppe berufen, um über Unfälle mit selbstfahrenden Autos zu urteilen. War das Auto schuld? Oder der Mensch, der überfahren wurde? Libby kann weder etwas mit selbstfahrenden Autos anfangen, noch mit den anderen Mitgliedern der Kommission. Mit der Aufgabe, die ihr da zuteil wurde, schon gar nicht.

 

Am Morgen von Libbys zweitem Tag bei der Kommission steigt die schwangere Claire in ihr selbstfahrendes Auto. Ihre Zieladresse ist gespeichert, die Türen verschließen sich, das Auto fährt los - so weit, so normal.

Doch plötzlich ertönt eine Stimme, die ihr mitteilt, dass ihr Auto gekidnappt wurde und sie vermutlich in zweieinhalb Stunden tot sein wird.

 

Wie sie kurz darauf erfährt, ist sie nicht die einzige ist dieser ausweglosen Situation: noch sieben andere Personen, darunter ein Ehepaar und eine alternde Schauspielerin, befinden sich ebenfalls in gehackten Autos.

 

Und plötzlich meldet sich der Hacker auch bei Libby und ihren Kollegen: sie sollen entscheiden, wer überlebt und wer stirbt. Doch damit nicht genug: die Filmaufnahmen aus den gehackten Autos werden live im Internet gestreamt. Menschen aus aller Welt fiebern mit - und entscheiden mit.

 

Was erst einmal klingt und wirkt wie ein "normaler" Technik-Krimi, entpuppt sich mit jeder Seite als viel mehr.

Wann ist ein Menschenleben etwas wert?

Gibt es Menschen, die wertvoller sind als andere?

Wonach beurteilen wir Menschen?

Welche Information beeinflusst unsere Meinung zu Menschen?

Und wie weit gehen wir, wenn wir um Schutz der Anonymität der Masse und des Internets untergehen?

 

John Marr schafft es in "The Passengers" nicht nur, die Spannung auf knapp 500 Seiten zu halten - er steigert sie kontinuierlich. Immer, wenn der Leser gerade meint, sich eine Meinung über die Situation bilden zu können, überrascht der Autor mit einer neuen Wendung. Dabei wird er aber nicht unlogisch, sondern bleibt stets dem Erzählstrang seiner Geschichte neu.

 

Ein fesselnder Krimi, der auch - aber lange nicht nur! - für Technikfans geeignet ist, der ein erschreckendes Zukunftsszenario entwirft, das so unwahrscheinlich gar nicht ist, und der den Leser immer wieder innehalten lässt, um die eigene Moral und Meinungsbildung zu hinterfragen.

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