Bernhard Schlink: „20. Juli“

Am 8. November 1939 verübte Georg Elser ein Attentat auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller in München. Acht Menschen wurden getötet, 57 Menschen teils schwer verletzt. Hitler hatte den Saal bereits früher verlassen und entging dem Attentat durch einen Zufall. 

 

Fast fünf Jahre später, am 20. Juli 1944, brachte eine Gruppe rund um Graf von Stauffenberg eine Bombe in eine Besprechung mit, zu der auch Hitler anwesend war. Vier Menschen starben, neun wurden schwer verletzt. Unter den weiteren leicht Verletzten: Adolf Hitler. 

 

Beide Anschläge scheiterten, Hitler konnte durch sie nicht gestoppt werden. Kamen sie zu spät? Hätte man womöglich früher handeln müssen? 

 

In Bernhard Schlinks neuem Buch „20. Juli - Ein Zeitstück“ treffen wir auf eine Gruppe Abiturient:innen, die gerade ihre letzte Geschichtsstunde hinter sich gebracht hat. Esther, Maria, Fabian, Niklas und Paul sind unterschiedlichen Alters, aber alle davor, endlich den großen Schritt ins Erwachsenwerden zu tun. Ingenieur wollen sie werden, Journalist oder Ärztin. 

 

Doch jetzt erstmal diskutieren sie. Hätten die Anschläge Elsers und von Stauffenbergs etwas genutzt, wenn sie erfolgreich gewesen wären? Wären sie erfolgreich gewesen, wenn sie bereits vor der Machtergreifung Hitlers stattgefunden hätten, zum Beispiel am 20. Juli 1931? Vermutlich schon, da sind sich Schüler:innen und Lehrer Ulrich Gertz einig. 

 

Doch was bedeutet das für die Gegenwart? Gerade hat die „Deutsche Aktion“ 37 Prozent bei einer Landtagswahl geholt. Die moderne rechte Politik der Partei macht den jungen Leuten Angst und verärgert sie massiv.

 

Aus der Vergangenheit lernen - heißt das, das jetzt der Politiker der „Deutschen Aktion“, Rudolf Peters, getötet werden muss? Wehret den Anfängen. Doch wann sind diese Anfänge? Wie weit darf man sich wehren? Wie sicher kann man sich sein, dass der charismatische Peters mit seinen nationalistischen Reden tatsächlich gefährlich werden kann? 

 

Schlink lässt seine Charaktere diskutieren, streiten, planen - und einer Katastrophe beiwohnen. Er lässt aber vor allem die Leser:innen grübeln. Hat Paul recht, wenn er feststellt: „Und weil jeder von uns alleine zu schwach ist, etwas zu verändern, verändern wir nichts.“ (S. 79)?

 

Die Lektüre des Stücks jedenfalls regt zum Nachdenken an - über uns selbst, unser Demokratieverständnis und seine Grenzen. Ein schmales Buch mit wichtiger Botschaft. Vielleicht genau zur richtigen Zeit. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0