Alina Bronsky: "Barbara stirbt nicht"

Schmidt Walter ist ein Mann der alten Schule.

 

Jahrzehntelang hat sich seine Frau Barbara um alles gekümmert: den Haushalt, die Küche und den Hund. Und das hat sie auch gut gemacht, findet er. Zumindest irgendwann. Anfangs war er noch nicht so zufrieden mit ihr, aber sie mussten sich ja auch erstmal aneinander gewöhnen. Die Ehe kam schließlich auch ein bisschen holterdipolter, geplant war das jedenfalls nicht.

 

Jetzt aber steht Barbara nicht mehr auf. Sie sei müde, sagt sie. Und Walter muss auf einmal für alles sorgen.

 

Beim Kaffeekochen trifft er gleich auf die erste Hürde. Obwohl er voller Elan die Maschine unter den Wasserhahn hält und den Filter voll mit Kaffeepulver füllt, will das Getränk einfach nichts werden. Also muss der Bäcker aushelfen. Natürlich füllt Walter den Kaffee zuhause heimlich um. Es muss ja schließlich keiner wissen, dass er den Kaffee nicht selbst gekocht hat.

 

Und überhaupt: Barbara ist ganz schön undankbar, findet Walter. Immerhin kocht (oder kauft, aber pssst) er nicht nur Kaffee. Er bringt ihr auch selbstgeschmierte Marmeladenbrote ans Bett und füttert den Hund. Da könnte sie ihn doch eigentlich schon mal loben. Sie selbst liegt schließlich immer noch einfach nur rum.

 

Und dann kommt auch noch sein Sohn Sebastian zu Besuch. Der ist für Walters Geschmack ein bisschen zu sensibel. Dauernd muss man aufpassen, was man sagt, weil Sebastian alles persönlich zu nehmen scheint. Natürlich mischt er sich auch gleich in alles ein. Barbara schleppt er zum Arzt, obwohl die gar nicht will, und Walter sagt er, er solle besser putzen. Ein Gutes hat sein Besuch aber: kürzlich hat Walter beim Fernsehen den Fernsehkoch Medinski entdeckt. Dank Sebastians Hilfe kann er dessen Videos jetzt jederzeit im Internet sehen.

 

So steht Walters Leben auf einmal auf dem Kopf. Er wäscht, putzt, kocht und backt - eigentlich alles Weiberkram, aber was soll er machen, wenn seine Frau einfach nicht mehr aufstehen möchte?

 

Alina Bronskys neuer Roman "Barbara stirbt nicht" erzählt die Geschichte einer Ehe, die sich neu sortieren muss und die einer Familie, die ohne ihr Bindeglied auskommen muss. Es geht um den Umgang mit Krankheit, Veränderung, Anpassung - und Zusammenhalt. Alles verpackt in einem wunderbar humorvollen Roman.

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